Die preußischen Nummernstempel der Post-Speditions-Ämter – ein Überblick - Preussensammler

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Die preußischen Nummernstempel der Post-Speditions-Ämter – ein Überblick

Postgeschichte > Bahnpost

Mit Einführung der Briefmarken im Königreich Preußen am 15.11.1850 wurde die Entwertung der preußischen Freimarken durch Nummernstempel vorgeschrieben. Zudem musste zusätzlich noch ein Ortstempel auf dem Kuvert angebracht werden, um den Aufgabeort und das Aufgabedatum (später dann auch die Aufgabezeit) eindeutig zu kennzeichnen. Damit sollte eine Kontrolle der Brieflaufzeit ermöglicht werden. Angesichts der 1727 Einträge, die in der ersten Liste der Nummernstempel mit den zugehörigen Postämtern und Postexpeditionen aufgeführt wurden und die wahrscheinlich nicht einmal die damaligen Postbediensteten vollständig auswendig kannten, erscheint dieser zweite Stempel als durchaus notwendig.

Eine Besonderheit unter den Nummernstempeln stellen diejenigen der Post-Speditions-Ämter dar. Diese sind nicht einem Ort, sondern dem für die Beförderung von Briefen und Paketen in einem Teil des Bahnnetzes zuständigen Post-Speditions-Amt zugeordnet. Ein Post-Speditions-Amt hatte seinen Sitz an einem größeren Bahnhof, wie die folgende Aufstellung der im Jahre 1850 bestehenden Post-Speditions-Ämter zeig
t:

Post-Speditions-Amt I

Berlin - Potsdamer Bahnhof

Nst. 104

Post-Speditions-Amt II

Berlin - Anhalter Bahnhof

Nst. 105

Post-Speditions-Amt III

Berlin - Stettiner Bahnhof

Nst. 106

Post-Speditions-Amt IV

Berlin - Schlesischer Bahnhof

Nst. 107

Post-Speditions-Amt V

Breslau

Nst. 183

Post-Speditions-Amt VI

Halle

Nst. 572

Post-Speditions-Amt VII

Magdeburg

Nst. 907

Post-Speditions-Amt VIII

Köln-Deutz

Nst. 317

Karte des Bahnnetzes vom 31.12.1858 mit den Orten der Post-Speditions-Ämter (Quelle: www.ieg-mainz.de)

Zu jedem Post-Speditions-Amt wurden an den größeren Bahnhöfen des Liniennetzes Post-Speditions-Büros eingerichtet, die dann die zu befördernden Brief und Pakete entgegen nahmen. So gab es für das Post-Speditions-Amt III u.a. Postbüros in Hamburg und Stettin, die eigene Stempel zur Kennzeichnung des Aufgabeortes verwendeten.


Es lassen sich vier Arten von Belegen (Briefe und Paketbegleitbriefe) zu den Post-Speditions-Ämtern unterscheiden:

  • Belege, die am Bahnhof eines Speditionsamtes aufgegeben und mit dem Ortstempel des entsprechenden Postamtes versehen wurden,



Brief aus Berlin nach Erfurt vom 24.1.1856, aufgegeben am
Potsdamer Bahnhof in Berlin, entwertet mit dem Nummernstempel 104


  • Belege, die bei einem Post-Speditions-Püros aufgegeben und mit dem entsprechenden Postbüro-Stempel versehen wurden,



Brief aus Hamburg nach Eybau vom 30.3.1856, aufgegeben im Hamburger
Speditionsbüro der Post-Speditionsamtes III, entwertet mit dem Nummernstempel 106


  • Briefe, die an einem Bahnhof entlang der Strecke aus dem Postkasten entnommen und vor der Übergabe an die Bahnpost mit dem Ortstempel versehen wurden,



Brief aus Ratibor nach Berlin vom 15.9.1855, aufgegeben am
Bahnhof von Ratibor, entwertet mit dem Nummernstempel 184


  • Belege, die direkt am Zug aufgegeben worden sind und bei denen der Aufgabeort handschriftlich vermerkt wurde.



Brief aus Brandenburg nach Köln vom 27.2.1858, aufgegeben direkt am
Zug in Brandenburg, entwertet mit dem Nummernstempel 104 (große Ziffern)


Bemerkenswert ist, dass die Entwertung der Freimarken mit dem jeweiligen Nummernstempel meistens im Zug und somit erst nach der Kennzeichnung durch einen Ortstempel stattfand. Auf den einzelnen Linien eines Eisenbahnpostbüros wurden gleichzeitig mehrere Stempel mit derselben Nummer verwendet. Damit ist auch die verhältnismäßig hohe Zahl von unterschied-lichen Typen gerade dieser Nummernstempel erklärlich. Außerdem kam es vor, dass die Entwertung durch den Nummernstempel nicht nur wie vorgeschrieben in schwarzer Farbe, sondern auch in Rot erfolgte. Rote Stempeltinte wurde vor allem zur Kennzeichnung von Paketsendungen verwendet und so konnte es vorkommen, dass der Postbedienstete zum Abstempeln der Briefpost das falsche Stempelkissen benutzte.

Das Liniennetz der preußischen Bahn führte auch durch das Territorium anderer deutscher Staaten. Daher finden sich auch Einzelmarken und Belege dieser Staaten, die direkt am Zug aufgegeben und durch preußische Nummernstempel der Post-Speditions-Amtes entwertet wurden. Der Aufgabeort wurde dann handschriftlich vermerkt.


Brief aus Gotha nach Lunden in Holstein vom 27.6.1851, aufgeben im Gotha, das zum
Postgebiet von Thurn und Taxis gehörte, entwertet mit dem Nummernstempel
573 des Post-Speditions-Amts VI, befördert mit dem Zug EISENACH-HALLE


Mit der Erweiterung des preußischen Eisenbahnnetzes wurden nach 1850 weitere Post-Speditions-Ämter eingerichtet:

Post-Speditions-Amt IX

Dortmund/Soest

Nst. 1745

Post-Speditions-Amt X

Köln

Nst. 1748

Post-Speditions-Amt XI

Bromberg/Dirschau

Nst. 1768

Post-Speditions-Amt XII

Marienburg

Nst. 1781

Post-Speditions-Amt XIII

Aachen

Nst. 1789

Post-Speditions-Amt XIV

Breslau

Nst. 1889 und Nst. 1913

Ab dem 1.4.1859 wurde die Verwendung von Nummernstempel zur Entwertung der Freimarken eingestellt und statt dessen der Ortstempel auch zur Entwertung verwendet wurde.


Literatur:  

  • Alt-Deutschland unter der Lupe, Band 8 und 9, Preußen, Ewald Müller-Mark, 1963

  • Preußen Postanstalten-Stempel 1817-1867, Band 8, Werner Münzberg, 1980


 
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